Beim Erkennen der Rosazea kommt es in der Praxis immer wieder zu Unsicherheiten. Liegt eventuell doch eine Akne vor, oder sollte man nicht vielleicht eher an eine periorale Dermatitis denken? In der Praxis ist die Diagnose in den meisten Fällen jedoch leichter gestellt, als viele denken. Das Anschauen der Effloreszenzen und ein paar gezielte Fragen reichen bei dieser überaus häufigen Hauterkrankung üblicherweise völlig aus. Wie sich eine Rosazea in der Praxis einfach erkennen lässt, erläutert der Dermatologe Prof. Dr. med. Martin Schaller im Interview mit Karl Eberius.
Prof. Dr. med. Martin Schaller: Zwar gibt es keinen speziellen Test oder festen Parameter zur Diagnose einer Rosazea, dennoch lässt sich die Erkrankung bei schätzungsweise 90 Prozent aller Betroffenen eindeutig anhand des klinischen Erscheinungsbildes diagnostizieren. Zusatzuntersuchungen sind nicht erforderlich – weder histologische Schnitte noch irgendwelche Blutwerte. Typisches Erkennungszeichen ist das zentrofaziale, meist symmetrische Auftreten von teleangiektatischen Erythemen, Papeln und Pusteln, die durch Triggerfaktoren, zum Beispiel Sonnenlicht, emotionaler Stress, heiße Getränke, scharfe Speisen, minimale Mengen von Alkohol oder Temperaturunterschiede etwa beim Hereinkommen aus der Kälte in die warme Wohnung, schlechter werden.
Schaller: Die alte Einteilung in drei Stadien (Rosacea erythematoteleangiectatica, Rosacea papulopustulosa, Rhinophym) ist nicht mehr gebräuchlich. Denn mittlerweile weiss man,
dass die Erkrankung in vielen Fällen nicht fortschreitet beziehungsweise kein stadienhafter Verlauf stattfindet.
Stattdessen spricht man bei der Rosazea heute nur noch von
Subtypen, an denen sich die Therapie orientiert. Häufigster
Subtyp ist die erythematöse Rosazea, die schätzungsweise bei
rund 70 Prozent der Fälle vorliegt und sich mit Rötungen und
Teleangiektasien bemerkbar macht. Am zweithäufigsten ist
mit etwa 20 Prozent die papulopustulöse Rosazea, bei der
neben den Erythemen zusätzlich Knötchen und Eiterbläschen
auftreten. Seltener ist dagegen die glandulär-hyperplastische
Rosazea, die vielleicht 5 Prozent betrifft. Typisches Kennzeichen sind Gewebsvermehrungen, wie etwa Rhinophyme,
die im Volksmund auch als Knollennase bezeichnet werden.
Darüber hinaus existieren noch einige seltenere Formen wie
zum Beispiel die Rosazea conglobata, bei der es zu tiefen entzündlichen Knoten kommen kann. In etwa 30 Prozent liegt
zusätzlich eine okuläre Beteiligung vor, die sich mit einem
Trockenheits- oder Fremdkörpergefühl im Auge bemerkbar
machen kann.
Schaller: Eine klassische Fehldiagnose ist der systemische Lupus erythematodes, dessen Schmetterlingserythem sehr einer erythematösen Rosazea ähneln kann und der sich ebenfalls unter Sonnenlicht oft verschlechtert. Auch histologisch lassen sich beide Krankheitsbilder kaum unterscheiden. Ebenso wenig sind antinukleäre Antikörper hilfreich, die zu den Diagnosekriterien des Lupus zählen. Denn antinukleäre Antikörper finden sich bei rund 40 Prozent aller Frauen über 60 Jahre, ohne dass dies einen Krankheitswert hätte. Richtungsweisend können jedoch Teleangiektasien sein, die beim systemischen Lupus erythematodes typischerweise genauso fehlen wie Papeln und Pusteln. Zudem sprechen systemische Begleitbeschwerden wie etwa Gelenkentzündungen, Fieber oder Krankheitsgefühl für einen systemischen Lupus beziehungsweise eine narbige Abheilung der Dermatose für einen diskoiden Lupus.
Schaller: Die Unterscheidung zwischen Akne und Rosazea ist normalerweise nicht schwierig. Schon allein das Lebensalter gibt gute Hinweise, welche der beiden Erkrankungen vorliegt. Während die Rosazea meist erst ab dem 40. Lebensjahr beginnt, nimmt die Akne ihren Ursprung typischerweise in der Pubertät. Außerdem zeigen die Effloreszenzen bei genauem Hinsehen deutliche Unterschiede. Im Gegensatz zur Rosazea finden sich bei der Akne offene und geschlossene Komedonen beziehungsweise Mitesser. Zu dem verschlechtert sich die Rosazea sehr häufig unter Sonneneinstrahlung, wohingegen die Akne durch UV-Licht in vielen Fällen deutlich besser wird.
Schaller: Die periorale Dermatitis ist oft schon am Klientel zu erkennen. Betroffen sind typischerweise Frauen im dritten oder vierten Lebensjahrzehnt, die großen beziehungsweise übertriebenen Wert auf die Pflege ihrer Haut legen. Denn eine periorale Dermatitis ist typischerweise die Folge von zu häufigem Eincremen im Sinne einer Kosmetikaunverträglichkeit. Darüber hinaus können für eine periorale Dermatitis auch Kortikoide verantwortlich sein, die über längere Zeit im Gesicht angewendet werden und nach dem Absetzen zu einer Steroidentzugsdermatitis führen, was sich allerdings anamnestisch leicht klären lässt. Typisch ist für die periorale Dermatitis auch ein diskreter effloreszenzfreier Saum um den Mund, der sich bei der Rosazea nicht findet.
Schaller: Abgesehen von der Frage, ob es die Diagnose seborrhoisches Ekzem überhaupt gibt oder man nicht eher von der Minimalform einer Psoriasis sprechen sollte, lassen sich beide Krankheitsbilder gut auseinanderhalten. Denn bei der Rosazea findet sich typischerweise keine Schuppung. Zudem verschlechtert sich ein seborrhoisches Ekzem nicht wie eine Rosazea unter Sonneneinstrahlung oder anderen Triggerfaktoren.